Das Ehrenzeichen der Universität Wien

© Jörg C. Steiner

Die älteste Universität des heutigen Österreichs, gegründet als Alma Mater Rudolphina 1365 in Wien, verleiht seit 1921, mit einer Unterbrechung von 1938 bis 1977, ein tragbares Ehrenzeichen.

Vorgeschichte

Nach dem 1. Weltkrieg rief die wirtschaftliche Notlage der gesamten Bevölkerung zahlreiche Hilfsaktionen ins Leben, auch solche zur Unterstützung der Universität und der Studentenschaft was indirekt zur Stiftung des ersten universitären Ehrenzeichens in Österreich führen sollte. Alle damals verfügbaren Ehrungen der Universität beschränkten sich auf die Würdigung akademischer Leistungen und so wurde die Idee geboren ein eigenes "Ehrenzeichen der Universität Wien" zu schaffen womit ausschließlich materielle bzw. soziale Leistungen sichtbar gewürdigt werden konnten. Am 15. Juni 1921 beschloss der Senat die entsprechenden Statuten, in deren § 2 ausdrücklich festgehalten war, dass dieses Ehrenzeichen zur Ehrung von Personen gedacht war, die der Universität materielle Förderung im weitesten Sinne hatten angedeihen lassen. Angehörige der Universität waren ausdrücklich von der Verleihung ausgenommen. Als Vorbild für das Aussehen des Ehrenzeichens diente der Anhänger der Amts-Kette der Rektoren nur wurde im Mittelmedaillon der erste Universitätssiegel dargestellt und auf die Überhöhung durch eine Krone verzichtet. (Da beim heute verliehenen Ehrenzeichen der gleiche Entwurf verwendet wurde, wird das Ehrenzeichen etwas weiter unten genauer beschrieben.) Diesem Ehrenzeichen beigeordnet waren noch eine Medaille in Gold bzw. in Silber, die lediglich dem runden Mittelmedaillon des Ehrenzeichens entsprachen. Das Ehrenzeichen wurde als Halsdekoration, die Medaillen an einem Dreiecksband auf der Brust getragen. Nach der Eingliederung Österreichs ins Großdeutsche Reich 1938 wurden die universitären Auszeichnungen verboten und deren Existenz geriet auch nach 1945 in Vergessenheit. Erst das durch die Bestimmungen des Universitäts-Organisationsgesetzes von 1975, dessen § 101 ausdrücklich die Schaffung und Verleihung von maximal dreistufigen Ehrenzeichen durch Universitäten und Hochschulen erlaubt, besann man sich auch in der Universität Wien wieder dieses Ehrenzeichens.

Medaille der Universität Wien  - Avers 

Medaille - Revers

Stiftung und Verleihung

Am 24. März 1977 bestellte der Akademische Senat einen Ausschuss zur Ausarbeitung eines Ehrenzeichens-Statuts, welcher die ganze Angelegenheit dem Universitätsarchivar und Heraldiker Professor Gall zur Bearbeitung weiterleitete. Dieser machte es sich ebenfalls sehr einfach und hielt sich sowohl bei den Statuten, als auch vor allem beim Aussehen des Ehrenzeichens exakt an das Vorbild von 1921. Fachlich durchaus bestürzend, dass in der Beschreibung die verschränkten Doppelkreuze - heraldisch zwei achtspitzige Kreuze - als "Malteserkreuze" bezeichnet werden - ein Armutsbeweis - und ebenso von "feuervergoldet" fabuliert wird, obwohl diese Technik der Vergoldung schon seit Jahrzehnten aus Gesundheits- und Arbeitsschutzgründen nicht mehr praktiziert wird bzw. verboten ist! Wie auch immer, die einzige Neuerung zu 1921 war die Gliederung des Ehrenzeichens. Dem Gesetzestext folgend wurde das Ehrenzeichen in drei Grade abgestuft, einem Goldenen Halskreuz, einem Silbernen Halskreuz und einer Steckdekoration, auf die Medaillen wurde folglich ganz verzichtet. Der genaue Wortlaut der aktuellen Statuten kann hier nachgelesen werden - Richtlinien 2004.

Gestaltung der Dekoration

Das Ehrenzeichen besteht, ebenso wie der Anhänger der Rektorenkette aus zwei übereinanderliegenden achtspitzigen Kreuzen mit einem runden Mittelmedaillon, jedoch ohne Überhöhung durch eine Krone. Bei diesem verschränktem Doppelkreuz, in der Heraldik auch "Sonnenpfennig" genannt, ist der größere weiß emailliert und hat am oberen Kreuzarm einen Bügel zur Befestigung der Öse, durch die das Halsband führt. Das runde Mittelmedaillon zeigt auf der Vorderseite den ersten Siegel der Universität aus dem Jahre 1365, welcher in einem gotischen Dreipaß unter einem Baldachin die Gestalt der Sapientia, der Weisheit, mit Lilienzepter und Buch sowie der Umschrift "Alma Mater Rudolfina" zeigt. Auf der Rückseite befindet sich die dreizeilige Inschrift "Grata Universitas Vindobonensis" in gotischen Minuskel, darunter drei einzelne Rosen. Das kleinere Kreuz und dieses Mittelmedaillon zeigen die jeweilige Metallfarbe (Gold bzw. Silber) an. Das Ehrenzeichen hat in allen drei Graden einen Durchmesser von ca. 50 mm wodurch das 32 mm messende Mittelmedaillon recht dominant erscheint. In der Zwischenkriegszeit wurde das Ehrenzeichen an einem 40 mm breiten Band getragen, heute verwendet man ein 52 mm breites.

 

Ehrenzeichen der Universität Wien  - Avers 

Ehrenzeichen der Universität Wien - Revers

 

Quellen & Literatur:
Die Universität Wien; Herausgegeben vom Akademischen Senat unter der Schriftleitung von Hofrat Prof.Dr.R.Wettstein; Wien-Düsseldorf 1929
Günter Erik Schmidt; Ehrenzeichen der österreichischen Universitäten und Hochschulen; in: Zeitschrift der ÖGO Nr.29/Februar 1998
Richtlinien und Satzungen der Universität Wien von deren Homepage - heruntergeladen am 26. Februar 2005

 

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